Mein Name is Holmes, Steve Holmes! Das Interview

Der deutsche Pornodarsteller Steve Holmes zählt in den letzten Jahren zunehmend zu den bekanntesten und wichtigsten Akteuren seiner Zunft und hat bereits jetzt  eine mehr alsbeeindruckende Karriere hinter sich.

Ein Erfolg, den man angesichts der Tatsache, dass Steve Holmes erst fünf Jahre im Geschäft ist und seiner allgegenwärtigen Präsenz in vielen bedeutenden Produktionen, kaum hoch genug zu würdigen weiß. Welchen Stellenwert seine Arbeit aber im Laufe der letzten Jahre auch international eingenommen hat, zeigen gleich vier Nominierungen (u.a. als „best actor“ und „male foreign perfomer of the year“) für die wichtigen amerikanischen AVN-Awards im Januar.

Steve HolmesHallo Steve, wie ich von Dir gehört habe, bist Du im Moment wieder schwer beschäftigt. Nachdem Du gerade erst eine Produktion mit Michael Ninn in Budapest beendet hast, warst Du im Anschluss auf der FICEB in Spanien und warst in der letzten Woche auf der VENUS. Was kommt dann? Eine Auszeit oder stehen weitere Produktionen auf Deinem Terminkalender?

Steve Holmes: Wir führen dieses Interview ja, wie auf der Venus versprochen, ein wenig Zeit verzögert. Da ich die Venus gerade hinter mir habe und jetzt im Flieger nach Los Angeles sitze, habe ich auch die Zeit mich Deinen Fragen zu widmen.
Die VENUS konnte ich mir nicht entgehen lassen, auch wenn ich so gut wie nicht mehr in Deutschland arbeite. Es ist aber eine schöne Gelegenheit alte Freunde zu treffen. Nur das offizielle Begleitprogramm habe ich mal wieder ausgelassen. Stattdessen habe ich mit drei Mädchen zusammen die Berliner Clubs durchstreift.
Zum verschnaufen blieben mir dann nur zwei Tage. In L.A. wartet schon wieder ein dichter Terminplan auf mich. Da ist ja nicht nur Hollywood, sondern im San Fernando Valley auch das Mekka der Porno-Branche.

Da würde ich gerne sofort nachhaken und fragen, was und für wen Du in den Staaten arbeitest?

Steve Holmes: Ich drehe hier für viele verschiedene Firmen, unter anderem: Anabolic, Elegant Angel, Evil Angel, Fallen Angel, Hustler, Legend Video, Metro, Red Light District, Ultimate Pictures, Vivid um nur die größeren zu nennen. Die Mehrzahl der Sex-Szenen sind Gonzo-Stuff. Aber ich habe auch sehr schöne Spielfilmrollen bekommen.

Im Zusammenhang mit der ersten, möchte ich auch die Frage anschließen, warum Du kaum noch in Deutschland arbeitest?

Steve Holmes: Weil man mich hier kaum noch bucht. Mein Preis und das was deutsche Produzenten zahlen hat sich im Lauf der Jahre auseinander entwickelt.

Steve Holmes mit PornodarstellerinnenDu warst nun wirklich schon in unzähligen Produktionen der unterschiedlichsten Label zu sehen. Wie hält Man(n) das aus und kannst Du noch nachvollziehen was Du wann gedreht hast?

Steve Holmes: Also aushalten tue ich das ganz gut. Es ist zwar manchmal körperlich anstrengend, macht aber Spaß. Wenn ich Ski fahren gehe beschwere ich mich ja auch nicht über die Strapazen. Allerdings habe ich den Überblick, wo ich wann was mit wem gedreht habe, schon lange verloren. Es bleiben einem nur die Highlights in Erinnerung.

Was kannst Du uns noch über die Michael Ninn Produktion verraten und wie verlief die Zusammenarbeit mit ihm?

Steve Holmes: Michael hat zum ersten Mal in Budapest gedreht. Leider konnte ich nur einen Tag dabei sein, weil meine Termine in Barcelona langfristig gebucht waren. Michael Ninn und sein Produzent Brandon Blackburn haben dann extra den Drehplan geändert, damit ich den einen Tag dabei sein konnte. Wir kennen und schätzen uns ja durch gemeinsame Arbeit in Los Angeles.
Die Zusammenarbeit mit ihm ist für jeden Darsteller eine Herausforderung. Er ist extrem sympathisch, aber fordert auch alles von einem. Hier geht es darum als richtiger Schauspieler aufzutreten und nicht nur zu ficken.

Was hältst Du persönlich von den Arbeiten eines Michael Ninn? Viele empfinden seine Produktionen als langweilig, während andere (zu denen ich mich auch zählen würde) ihn für einen großen Visionär halten.

Steve Holmes: Porno hat ja viele Facetten und richtige Filme wie in den 70er Jahren werden ja kaum noch gedreht. Die Mehrzahl der Zuschauer wollen wohl heute auch gar keinen ganzen Film sehen, sondern lieber von Szene zu Szene springen bis sie etwas finden was sie besonders erregt. Das ist auch OK und ich drehe viel und gerne solche Gonzo-Videos.
Es gibt aber auch heute noch einen Markt für richtige Filme. Michael Ninn schätze ich als einen der ganz wenigen in dieser Branche die überhaupt noch Film machen können.

Steve Holmes in ActionDu hast ja auch schon mit vielen anderen bekannten Regisseuren/ Produzenten zusammengearbeitet, gibt es eigentlich noch Produktionen auf die Du dich freust oder Du eine Art Lampenfieber hast?

Steve Holmes: Ich freue mich eigentlich meistens auf die nächste Produktion. Ich bin heute in der Situation, dass ich nicht unbedingt jedes Angebot annehmen muss. Was ich mache, mache ich also gerne.
Lampenfieber ist vielleicht zu viel gesagt, aber ein gewisse kribbeln im Bauch verspüre ich oft vor einer Szene. Wenn das mal nicht mehr ist, höre ich wohl besser auf.

Gibt es eigentlich in diesem Zusammenhang, Lampenfieber mal außen vor gelassen, im Bereich des Pornofilms überhaupt noch Herausforderungen oder Ziele für Dich als Darsteller?

Steve Holmes: Ich bin ja erst rund 5 Jahre in der Erotik-Branche, was viele Leute oft vergessen. In dieser kurzen Zeit habe ich viel erlebt und viel genossen. Aber es gibt noch Einiges was mich reizen würde. Ich habe zum Beispiel noch nie in Japan gedreht. Ich hatte zwar mal eine Anfrage, die ich aber aus Termingründen nicht wahrnehmen konnte.

Was reizt Dich an Japan?

Steve Holmes: Japan währe eine völlig neue Erfahrung. Ein ganz anderer Kulturkreis, den ich interessant finde. Außerdem genieße ich die japanische Küche und die hübschen Mädchen. Hier in Los Angeles gibt es ja von beidem reichlich.

Steve Holmes mit GirlNun kennen Dich ja viele unserer Leser sicherlich aus den Produktionen, aber wie muss man sich den privaten Mensch Steve Holmes vorstellen? Wie würdest Du dich selbst charakterisieren?

Steve Holmes: Als Homo Ludens, verspielt und extrovertiert. Wer mich in verschiedenen Rollen im Video gesehen hat kann einen gar nicht so verkehrten Eindruck von mir gewinnen.

Hast du Deinen Künstlernamen selbst ausgewählt und welche Bedeutung hat er für Dich, da er ja doch Assoziationen zu John Holmes erweckt?

Steve Holmes: Gabriel Zero, Rocco Siffredis Cousin, hat mich 1997 in einer meiner ersten Produktionen gesehen. Er hat damals als Reporter für HOT VIDEO in Frankreich den Dreh dokumentiert. Als er mich nach meinem Künstlernamen fragte, war er ganz entsetzt, dass ich keinen hatte. Darauf schlug er mir „Steve Holmes“ vor, da ich ihn an „John Holmes“ erinnerte. Mir war das ziemlich egal, da ich eh keine Kariere in der Branche plante. Ich wollte lediglich in ein paar Filmen mitmachen um mir meinen lang gehegten Traum vom Porno zu erfüllen.
Als es dann immer mehr wurde und Leute begannen mich mit „Steve“ anzusprechen, fand ich das erst sehr merkwürdig. Mittlerweile komme ich damit aber gut klar.

Was hast vor Deiner Tätigkeit als Pornodarsteller gemacht und kannst Du mal kurz Deinen Werdegang als Darsteller skizzieren?

Steve Holmes: Bevor ich pornodarsteller war habe ich lange Jahre in der Computerbranche gearbeitet. Vielleicht liegt es daran, dass ich nie ohne meinen Laptop verreise und jetzt diese Fragen im Flugzeug beantworte.
Als Darsteller habe ich ganz klein Angefangen. Die erste Szene war für eine Amateurserie ohne Gage. Das machte mir aber nichts aus, da ich schon so lange davon geträumt habe mal in einem Porno mitzuspielen. Und es war so schwer da hin zu kommen. Danach ging es dann sehr schnell weiter. Manche Leute mochten mich und haben mich weiter empfohlen.

Empfindest Du auch das männlichen Darstellern im Vergleich zu anderen Ländern hierzulande zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird?

Steve Holmes: Anerkennung ist wie Liebe. Die kann man nicht einfordern. Persönlich kann ich mich auch nicht beschweren. Ich habe in den letzten Jahren viel Zuspruch und Unterstützung erhalten.
Allerdings werden in Deutschland sowohl die Darstellerinnen als auch wir Männer nicht mit so viel Respekt behandelt, wie in vielen anderen Ländern. Das merkt man auch bei der Bezahlung und das ist der Grund, warum ich in Deutschland kaum noch arbeite.

Steve Holmes HochzeitsfotoFühlst Du dich um Deine Arbeit als Darsteller beneidenswert?

Steve Holmes: Ich habe ein sehr schönes und glückliches Leben.

In letzter Zeit arbeiten immer mehr Darsteller auch als Produzenten. Was hältst Du davon und wäre das auch eine Option für Dich und den eventuellen späteren Weg hinter die Kamera?

Steve Holmes: Ich habe bisher einige wenige PPornofilm-roduktionen durchgeführt und werde das auch in Zukunft machen. Das sind kleine Projekte, die mir am Herzen liegen und wo ich meinen Exhibitionismus ausleben kann. Das war eine Reportage von der Love Parade 2000 in Berlin oder diverse Messe Reports. Produktionen im größeren Stil plane ich nicht.

In diesem Zusammenhang kommen wir mal auf die Entwicklung in der Pornobranche zu sprechen. Du bist jetzt seit 5 Jahren als Darsteller aktiv. Wenn Du diesen Zeitraum Revue passieren lässt, welche Entwicklungen siehst Du positiv und welche negativ?

Steve Holmes: Ob positiv oder negativ, liegt im Auge des Betrachters. Die Technik wird immer besser und billiger. Das senkt die Hemmschwelle für neue Produzenten. Heute kann jeder mit Equipment für wenige tausend Euro einen Porno drehen. Dadurch ist natürlich eine Flut von Schrott entstanden. Es kommen aber auch junge Talente zum Zuge, die früher nie den Sprung geschafft hätten.

Steve Holmes bei einer AwardshowWeitere große Themen, die immer wieder fallen, sind AIDS, Kondome im Porno und in letzter Zeit bei männlichen Darstellern VIAGRA. Was verbindest Du mit den Begriffen, sowohl auf die Pornobranche als auch auf Dich bezogen?

Steve Holmes: Kondome sind etwas Wunderbares. Wenn ich auf Swinger-Partys gehe, benutze ich immer welche. Im Film will sie allerdings kaum einer sehen. Als Pornodarstellerin oder Darsteller muss man also immer mit einem gewissen Infektionsrisiko Leben. AIDS Fälle gab es in dieser Branche ganz wenige.
Aber es gibt ja noch eine ganze Menge anderer sexuell übertragbarer Krankheiten. Damit muss man leben wie auch jeder Bergmann oder LKW Fahrer mit seinem Berufsrisiko lebt, oder sich für einen anderen Beruf entscheiden.
Die Erfahrung der meisten Porno-Produzenten mit neuen Männern ist sehr schlecht. Die meisten „funktionieren“ nicht. Als dann VIAGRA auf den Markt kam, haben viele gedacht das würde sich ändern. Tat es aber nicht.

Gibt es Pornofilme oder Sex-Szenen, für die Du speziell oder bevorzugt gebucht wirst? Und drehst Du persönlich lieber Spielfilm- oder Gonzo-Szenen?

Steve Holmes: Natürlich gibt es Rollen die man mir auf Grund meines Alters oder meiner Statur besonders gerne anbietet. Dazu solltet ihr aber lieber die Regisseure fragen.
Die Frage von Gonzo oder Spielfilm kann ich nur mit UND beantworten. Die Abwechslung ist das Reizvolle.

Kann man heute noch als männlicher Darsteller „reich“ werden?

Steve Holmes: 99,99% werden nicht reich. Die Ausnahme bestätigt mal wieder die Regel. Trauriger Weise können aber mindestens 70% noch nicht einmal ordentlich davon leben.

Wieweit ist Porno in den letzten Jahren gesellschaftsfähig geworden?

Steve Holmes: Ich glaube nicht, dass sich da im Laufe der letzten Jahre viel verändert hat. Wer Erfolg hat wird akzeptiert. Alle anderen gelten als Schmutzfinken.

Steve Holmes am Pornofilm setDa hast Du prinzipiell sicherlich recht, aber meinst Du nicht Messen, wie die VENUS, Sendungen wie „Wa(h)re Liebe“ oder das Internet haben zu mehr Aufgeschlossenheit im Allgemeinen geführt?

Steve Holmes: War es Cäsar, der sagte „Ich liebe den Verrat aber ich hasse den Verräter“? So ähnlich geht es auch vielen, die gerne Porno schauen. Das heißt noch nicht, dass sie sich wünschten ihre Tochter oder Schwester wird ein Pornostar.
Die VENUS als Fachmesse hat hier überhaupt keinen Einfluss. Über „Wa(h)re Liebe“ kann ich nichts sagen, da ich es nie sehe. Ich schau fast überhaupt kein Fernsehen.
Aber ich beschwere mich aber überhaupt nicht über das Schmuddelimage unserer Branche. Ich glaube, das macht es für viele erst interessant. Und wenn es anders wäre, hätte ich vielleicht nicht so viel Arbeit.

Wie sieht es hinsichtlich der Konkurrenz unter den männlichen Darsteller aus?

Steve Holmes: Ich habe nie Konkurrenz empfunden. Mit manchen Darstellern verbindet mich sogar eine kollegiale Freundschaft.

Was macht einen guten Darsteller aus und was würdest Du Newcomern als „alter Hase“ im Business raten?

Steve Holmes: Alle meine Kollegen die erfolgreich sind, sind total unterschiedliche Charaktere. Ich bin immer meinen Weg gegangen und würde mir auch nicht anmaßen anderen zu raten was sie tun sollten.

Kann man eigentlich als männlicher Darsteller auch Einfluss auf die Auswahl der Partnerinnen haben oder ist das ein Privileg, welches ausschließlich den weiblichen Darstellerinnen vorbehalten ist?

Steve Holmes: Es ist ein Trugschluss, dass Porno-Darstellerinnen dieses „Privileg“ haben.

Was war das lustigste oder merkwürdigste Erlebnisse, was Du bei einem Dreh hattest?

Ich hab ja schon vorher gesagt, dass mir die Übersicht abhanden gekommen ist. Es gibt immer wieder viel zu lachen auf diversen Drehs.

Dein größter Traum?

Steve Holmes: Ich würde gerne fliegen können. Aber das ist wirklich nur ein Traum. In der Realität bin ich ganz zufrieden.

Bekommst Du viel Feedback von Fans (und wenn ja, mehr von Frauen oder Männern)?

Steve Holmes: Ab und zu sprechen mich Menschen an oder ich bekomme Emails. Das passiert nicht zu häufig.
Angesprochen werde ich mehr von Männern. Emails bekomme ich häufiger von Frauen. Ich freue mich eigentlich über jede Reaktion. Daher gehe ich auch gerne auf Messen.

Vielen Dank für das Interview. Ein Wort zum Schluss an unsere Leser?

Steve Holmes: Viel Spaß beim Sex! Nur Menschen können Menschen wirklich glücklich machen.
Steve Holmes Foto mit Rocco Siffredi

TEILEN
Vorheriger ArtikelMiss Busty 2003 – Das große Finale in Berlin
Nächster Artikel7. Venus 2003 – Vorher, nachher, mittendrin in Berlin
ist der Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von German-Adult-News.com. Neben der Tätigkeit für GAN ist Tom auch noch als freier Texter und Redakteur für andere Blogs, Online-Shops und Magazine (On- und Offline) aktiv. Die Themen-Bandbreite reicht dabei von Entertainment & Medien bis hin zu E-Commerce. Geboren und wohnhaft im Herzen des Ruhrgebiets ist Tom seit vielen Jahren glücklich verheiratet und stolzer Vater.