Larry Flynt im Interview über Hustler, Sex und Politik!

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Hustler-Chef Larry Flynt braucht man wohl anno 2003 keinem mehr groß vorstellen, ist er doch die führende Persönlichkeit der Erotikbranche weltweit. Sollte dennoch jemand noch Nachholbedarf haben, sei der zweifach Oscar-nominierte Film „Larry Flynt – Die nackte Wahrheit“ (The People Vs. Larry Flynt) von Milos Forman, sowie Larrys eigene Homepage empfohlen.

Larry FlyntWovor fürchtet sich Ihrer Meinung nach das Pentagon, wenn es Hustler Reportern erlaubt wäre, an militärischen Missionen teilzunehmen?

(Die Frage bezieht sich auf einen Rechtsstreit, den Larry Flynt derzeit gegen das Pentagon führt. Es geht um das Recht, eigene Korrespondenten an die Kriegsfront zu schicken.) Wir wissen alle, dass die Regierung ihre Fehler generell verschleiert. Sie fürchtet, dass die Presse diese Fehler aufdecken würde, wenn sie sie in ihr Lager ließe. Zu jeder Zeit senden die Leute ihre Söhne aus, um für ihr Land zu kämpfen und vielleicht dabei zu sterben. Sie haben ein Recht auf eine faire und unvoreingenommene Berichterstattung.

Die Presse nicht zuzulassen bedeutet, die Bürger ihrer Rechte zu beschneiden. Bush hat sich eine einzigartige Stellung geschaffen, in der die Leute freiwillig ihre Rechte für die Sicherheit aufgeben.
Benjamin Franklin sagte einst, dass diejenigen, die ihre Rechte für Sicherheit aufgeben würden, weder das eine, noch das andere verdienten. Viele der modernen Politiker sollten sich Franklins Buch einmal anständig durchlesen.

Hat die Bush Administration eigentlich jemals versucht auf die Inhalte der LFP Magazine und Videos Einfluss zu nehmen oder gegen sie vorzugehen?

Nein. Aber sobald John Ashcroft mit dem Krieg fertig ist, wird er sich wahrscheinlich auf die Pornographie stürzen. Die Staatsanwälte können von mir aus träumen was sie wollen, um jedoch tatsächlich einen Verstoß in Sachen Obszönität zu verfolgen, brauchen sie zwölf Geschworene, um zu einem Urteil zu gelangen.
Die Zeiten haben sich in den letzten 30 Jahren geändert. Die Amerikaner bestehen auf ihrem Recht, in den eigenen vier Wänden anzuschauen, was sie wollen.
Ashcroft hat die Brüste der Justitia Statue die bei einer Pressekonferenz hinter ihm stand verdeckt. Können Sie sich vorstellen was passiert, wenn der Kerl anfängt, Pornographie zu verfolgen?

Larry FlyntWarum hat LFP verhältnismäßig lange gebraucht, bis man mit der Produktion von Videos anfing?

Tatsächlich war es von meiner Seite aus eine Dummheit. Jedes mal, wenn ich daran dachte, in die Videoproduktion zu gehen und mit irgendwelchen Leuten darüber redete, sagten die: „Lass die Finger davon. Da gibt es nichts zu verdienen. Es ist zu schwierig. Bleib bei den Printmedien, damit kennst du dich aus.“
So kam ich immer wieder von der Sache ab, fühlte aber immer, dass der Name Hustler sich bestimmt noch weiter vermarkten ließ. Nur wofür, war mir nicht klar.
Als wir dann Hustler Hollywood eröffneten, die erfolgreichste Erotik Boutique des Landes, da sahen wir, dass die Leute Hustler T-Shirts und Jacken haben wollten. Die Erfahrung sagte mir dann, dass dieser Bedarf nach Hustler Produkten auch auf den Video Markt zu übertragen ist.
Also sind wir vor drei Jahren in die Videoproduktion eingestiegen. Jetzt sind wir die drittgrößte Videofirma des Landes und befinden uns gerade dabei, hier in Los Angeles eine weitere Investition zu tätigen, die uns zum größten Videoproduzenten und Vertreiber des Landes machen wird.

Würden Sie sich jemals selbst im Hustler und mit einem pornografischen Bild ablichten lassen?

Wollen Sie unbedingt meinen faltigen Hintern sehen?

Okay, der Punkt geht an Sie. Es heißt von Ihnen, dass die Pussy einer Frau an ihrem Gesicht erkennen können?

Das kann ich. Nicht viele Menschen können das, aber ich kann genau sagen, wie die Pussy einer Frau aussieht, wenn ich mir ihren Mund anschaue.
Wenn eine Frau schmale Lippen hat, hat sie wahrscheinlich auch keine dicken Schamlippen. Wenn ein Mädchen dagegen einen saftigen Mund und kräftige Lippen hat, dann sieht ihre Pussy in der Regel auch so aus.

Larry FlyntKönnen Sie auch etwas über die Persönlichkeit einer Frau aus ihrer Vagina ablesen? Können Sie beispielsweise sagen, ob es eine heiße Nummer wird oder eher enttäuschend?

Das kann ich sicherlich besser beurteilen als manch anderer. Man braucht dazu so etwas wie einen sechsten Sinn. Den hat man entweder oder man hat ihn nicht.

Was war denn der abgefahrenste Sex, den Sie je hatten, ausgenommen die Geschichte mit dem Huhn?

War das nicht abgefahren genug? Als ich 17 war und mit der Navy in Frankreich war, wurde ich mal in Cannes in einen Puff geschickt. Ich hatte 20 Frauen und hatte so was wie eine Privatorgie. Allerdings hat mein Rücken mich im Stich gelassen und meine Kumpels mussten mich zurück an Bord schleppen.

Und woher hatten Sie das Geld für 20 Mädchen?

Beim Pokern gewonnen.

Gibt es rückblickend in Ihrer Karriere etwas, was Sie heute anders machen würden?

Ich kann zumindest sagen, was mich in die größten Schwierigkeiten gebracht hat. Es ging dabei um einen Veröffentlichung im Hustler und wenn ich die Dinge ändern könnte, hätte ich es nie veröffentlicht.
Als Ford damals Präsident war hatte Betty Ford gerade eine beidseitige Brustamputation. Es war zur Weihnachtszeit und wir hatten einen ganzseitigen Cartoon im Heft, der die Silhouette einer Frau im Weißen Haus zeigte, die sagte: „Alles was ich zu Weihnachten haben will, sind meine beiden Titten.“ Wir bekamen tonnenweise Post und es war nicht ein positiver Brief dabei. Jeder beschwerte sich, wie geschmacklos und wenig einfühlsam dieser Scherz war. Ich fand den Cartoon selbst zu übertrieben und wollte ihn ein wenig zahmer haben, aber es war zu spät und er war gedruckt. Zuvor hatte mich keiner auf das Ding aufmerksam gemacht und ich machte mir dann auch keine großen Gedanken über die Konsequenzen, dabei hatte ich meine eigene Mutter durch Brustkrebs verloren.
Es was anderes fällt mir nicht dazu ein. Es ist schon erstaunlich, in all den Jahren nichts zu bedauern zu haben, außer einem Cartoon. Das ist ein sehr gutes Ergebnis.

Larry Flynt HustlerWenn Sie Präsident wären, wie würden Sie mit dem 11. September umgehen?

Nicht viel anders als Bush es tat. Er hat den Krieg sehr gut geführt.

Aber laut Ihrem eigenen Magazin haben Sie Bush schon Jahre zuvor, und bevor er Präsident wurde, durchleuchtet. Entsprechend präsentierte das Hustler-Magazin schon früh Fakten, die andere nicht wussten…

Stimm! Er ist ein bigotter, rechtslastiger Faschist. Er wurde in das Ölgeschäft hineingeboren und steckt dort immer noch drin. Für den kleinen Unternehmer oder den durchschnittlichen Arbeiter hat Bush nicht viel übrig.
Was ihn wahrscheinlich zu Fall bringen wird ist seine Wirtschaft. Am Ende wählen die Leute für ihre eigene Brieftasche. Die einzige Ausnahme war die letzte Wahl, bei der meiner Meinung nach Gore gewonnen hat. Bush hat sich dort reinbugsiert. Er sollte sein Amt bis zur nächsten Wahl lieber ordentlich machen und auf die Wirtschaft und die Außenpolitik achten, sonst wird er nicht wiedergewählt.

Was halten Sie denn von CNN, die Ihre Bemerkungen über die Untersuchungen über Bushs Vergangenheit aus einem offiziellen Interview zensiert haben?

Ich mache generell die Presse scheu, denn ich bin nicht so einfach zu handhaben. Aber Sie mussten mich ernst nehmen als ich 1988 die gegen Jerry Falwell gewann und die parodistische Rede hielt.
Sie mussten mich ernst nehmen, als ich bei der Kokain Affäre um DeLorean für 15 Monate ins Gefängnis ging, nur um meine Quelle nicht zu verraten und sie musste mich ernst nehmen, als wir den Skandal um Bob Livingston, einem Sprecher des Weißen Hauses, aufdeckten. Wir waren im Vorteil, und wenn wir den nicht gehabt hätten, hätten sie uns wie eine Laus zertreten.
Wir haben immer überlebt ohne unsere Glaubwürdigkeit zu verlieren. Man mag das, was wir sagen oder tun nicht mögen, aber wir sagen und tun es trotzdem.

Larry Flynt und FamilieWenn im Hustler die Wahl zum „Arschloch des 20. Jahrhunderts“ anstehen würde, wer würde es Ihrer Meinung nach sein?

Man müsste dazu die Person herausgreifen, die die größte Gefahr für unsere Bürger- und Zivilrechte darstellt, und das ist John Ashcroft. Ich denke, wenn Bush das Wort „böse“ verwendet, sollte er mal zu Ashcroft rüber schauen, denn der personifiziert das Böse. Er ist extrem gefährlich.

Worauf sind Sie in den 28 Hustler Jahren besonders stolz?

Wir haben nie Kompromisse gemacht. Hustler macht sein Geld durch den Verkaufspreis und nicht durch Anzeigen. Somit können uns weder Anzeigenkunden noch die Regierung kontrollieren.