Isabel Golden im Interview: Stationen einer Erotik-Karriere

Isabel Golden wurde im August 1963 in Berlin geboren. Ihre Erotik-Karriere begann 1988 in Hamburg als Foto-Model für Sexmagazine, bevor sie ab 1997 auch als Pornodarstellerin aktiv wurde.

Isabel Golden Bild 1Mit ihrer modischen Kurzhaarfrisur und ihrer schlanken Figur (88-58-86) wirkt Isabel Golden eher wie die sympathische Nachbarin von nebenan, als eine der bekanntesten deutschen Porno-Darstellerinnen. Wahrscheinlich führte gerade diese natürliche Erscheinung, wie auch ihr freundliches Verhalten gegenüber ihren Fans, mit dazu, dass sie seit Jahren zu den beliebtesten Stars im deutschen Porno-Biz zählt.

Im folgenden Exklusiv-Interview erfahrt ihr, wie sich die Erotik-Karriere von Isabel Golden über die Jahre hinweg entwickelt hat und was es sonst noch alles Wissenswertes über den beliebten Erotikstar zu erfahren gibt.

Erzähl doch zu Beginn bitte etwas über dich (Schule, Beruf, Hobbys, etc.) und was Du vor deiner Erotik-Karriere gemacht hast.

Einfach gesagt: Mittlere Reife, Hairstylistin, Schnorcheln im indischen Ozean, Jogging, meine Katzen, Lesen.

Deine Karriere startete mit 25 Jahren für einen Pornostar relativ spät. Es begann damit, dass Du mit Claus Vogel in Hamburg zusammengearbeitet hast. Was veranlasste dich damals, von Berlin nach Hamburg zu gehen und dich für Porno-Magazine fotografieren zu lassen? War es der persönlich-sexuelle Reiz oder einfach nur das Geld?

Des Geldes wegen habe ich nie Porno gemacht. Es war für mich immer der sexuelle Kick, da ich sehr exhibitionistisch veranlagt bin.

Wem oder was hast du den Umstand zu verdanken, dass du sofort mit einem der bekanntesten Hardcore-Fotografen in Deutsch­land zusammenarbeiten konntest und wie verlief die Zu­sammenarbeit mit ihm?

Mit Claus Vogel zu arbeiten ist etwas ganz besonderes. Er ist sehr einfühlsam und es sind gute Ergebnisse, die nach einer Fotosession herauskom­men. Mein Mann kannte Claus schon einige Jahre vor mir. Er brachte mich auch auf die Idee.

Kannst du dich eigentlich noch erinnern, für welche Magazine du gearbeitet hast? Wie beurteilst du im  Nachhinein diese Zeit?

Ich weiß ehrlich gestanden, nicht mehr wie viele Magazine es waren. Angefangen hatte es mit ganz harmlosen Geschichten, in Zeitschriften, wie Praline, Wochenend, Neue Revue. Es folgten dann Happy Weekend, Color Climax-Serien und viele andere.

War es für dich zum damaligen Zeitpunkt eine Frage, ob du auch als Darstellerin arbeiten willst und wenn ja, warum hast du nicht schon früher angefangen zu drehen?

Ich wollte eigentlich nie zum Film, doch dann „überredete“ mich ein Regisseur dazu und so entstand dann auch mein erster Film.

Es folgte dann ein recht ungewöhnliches Ereignis in deiner Karriere. Nicht nur, dass du ein Buch („Das erotische Tagebuch einer Dreißigjährigen“) geschrieben hast, sondern auch, dass du in diesem Buch deine komplette sexuelle Lebensgeschichte der Öffentlichkeit offenbarst. Wie kommt man mit knapp 30 Jahren zu so einer intimen Offenbarung seines Privatlebens?

Also, den Grundstein zu meinem Buch legte ich eines Morgens im Bett mit meinem Mann, denn wir erzählten uns gegenseitig unsere sexuellen Abenteuer vor unserer Partnerschaft. Er war es auch, der mich dazu ermutigte alles aufzuschreiben. Also setzte ich mich an die Schreibmaschine und tippte drauf los.

Isabel Golden Bild 2Das Buch wurde später sowohl in HAPPY WEEKEND als auch in SEXY veröffentlicht. Welche Resonanzen hast du daraufhin erfahren und ist das Buch auch im Handel erhältlich?

Das Buch selbst ist sehr pornografisch, daher findet sich kein Verlag, der es drucken möchte. Die Resonanz der Leser vom Happy Weekend und Sexy war überwältigend. Ich bekam sehr, sehr viele Fanpost.

Immerhin führte dieses Buch dazu, dass Harry S. Morgan es unter dem Titel „Exzesse in Paris“ mit dir in der Hauptrolle verfilmte. Wie kam es zu der Entscheidung, dass du selbst die Hauptrolle übernommen hast und warum warst du mit dem Film nicht zufrieden?

Ich wollte, wenn schon von mir etwas verfilmt wurde, auch meinen Fans zeigen, das ich es selbst bin. Jede andere Darstellerin wäre eine Lüge gewesen. Das Ergebnis allerdings war nicht zu meiner Zufriedenheit. Erstens spielte der Film in Paris, dort hatte ich nie ein Erlebnis gehabt und der ganze Inhalt des Films bezog sich nicht auf mein Buch. Es ging dabei nur um Pornografie.

Und wie kam es dann zu der zweiten Verfilmung in Berlin?

Berlin ist meine Heimatstadt. Dort erlebte ich soviel, dass man auch nur dort mein Tagebuch verfilmen konnte. Das Buch selbst konnte man auch nicht in einem Film mit 90 Minuten Spielfilmlänge verfilmen, daher gab es mehrere Fortsetzungen.

Dies bescherte dir immerhin den Durchbruch in der deutschen Porno-­Branche. Es folgten Hits, wie „Geschwollene Lippen“ und der Topseller „Lustvolle Hände“, der mehrere Monate auf Platz 1 in den Verkaufs- bzw. Verleihlisten stand. Kannst du beschreiben, wie du dich angesichts dieser Erfolge gefühlt hast und gab es so was wie „ab jetzt bin ich ein Pornostar!“?

Ja, es war schon ein komisches Gefühl in manchen Situationen im Mittelpunkt zu stehen. Aber selbst heute fühle ich mich immer noch nicht als Star, denn ich mag den ganzen Rummel nicht so sehr. Wichtig ist, dass die Leute meine Filme sehen und sagen können: Ja, der hat mir gefallen. Daher mache ich heute keine Filme mehr, bei denen ich kein Mitspracherecht habe.

Wie sehr hat sich durch deine Karriere als Pornostar auch dein privates Leben geändert? Wie sind deine Familie und Freunde damit umgegangen und wie lebt es sich als Pornostar in Deutschland?

Das war schon anfangs ein Problem. Denn es gab „sehr gute Freunde“, die meinen Eltern dann ein Heftchen oder eine Videokassette unterjubelten. Aber von Anfang an stand ich zu meiner Tätigkeit und zu meinen Produkten, daher gab es eigentlich keine großen Komplikationen.

Ebenso außergewöhnlich wie die Buchveröffentlichung war, ist auch die Tatsache, dass du dich doch sehr von anderen Porno-Darstellerinnen unterscheidest. Zumindest soweit, wie man das als Außenstehender beurteilen kann. In Deinen Filmen wirkst du sehr „normal“, da du weder den Typus „Schlampe“ noch der „Engel“ bist und auch sonst keine typischen Pornofilm-Rollenklischees auf zutreffen. Du wirkst natürlich, ungezwungen, selbstbewusst und auch bei Autogrammstunden oder Shows kommst du so rüber. Ist der Charakter Isabel Golden im Film mit dem im privaten Leben gleichzusetzen?

Das kann ich selbst nicht so beurteilen. Ich meine aber, die Antwort mit Ja beantworten zu können. Denn ich mag mich nicht verstellen, nur weil andere es von mir erwarten. Das ich in meinen Filmen keinen speziellen Typ abgebe, liegt wohl daran, das ich mich stets selbst spiele und wohl sehr flexibel bin. Ich kann die „versaute Isabel“ spielen, aber auch die „jungfräuliche“ Type. Am liebsten mag ich es immer je nach Situation, wenn z.B. ein Darsteller richtig gut drauf ist, dann kann er gewiss sein, das ich alles von ihm abverlange und wir eine gute Szene zusammen machen.
Zu den Autogrammstunden sei gesagt, das dort viele Leute kommen und mich sehen wollen, teilweise kommen die Leute von weit her, dann haben sie es auch verdient Antworten auf ihre Fragen zu bekommen und freundlich behandelt zu werden. Daher habe ich immer Zeit für meine Fans.

Isabel Golden Bild 3In diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob du auch schon vor Beginn der Karriere als Darstellerin rasiert und gepierct warst?

Das Rasieren ist für mich nicht nur ein sexueller Reiz, sondern hat auch was mit Hygiene zu tun. Mein erstes Piercing hat für mich symbolischen Charakter, denn mein Mann und ich haben uns statt Eheringe je ein Piercing machen lassen.

Du sagtest zuvor, dass du eine ausgesprochen stark veranlagte Exhibitionistin bist und eine starke bisexuelle Vorliebe hast. Wenn dem nicht so wäre, könntest du dir dennoch vorstellen, ebenso natürlich in deinen Filmen zu wirken?

Nein, absolut nicht! Ich verstehe auch nicht, dass es in meiner Branche viele Frauen gibt, die mit Sex zwischen Frauen absolut nichts am Hut haben und dennoch versuchen Lesbensex zu verkörpern. Ich hingegen spiele in meinen Filmen nur mit wirklich Bi-veranlagten Frauen auch Lesben­-Szenen. Schließlich zeige ich ehrlichen Sex und keine Show. Daher denke ich, dass meine Filme auch ehrlich rüberkommen.
Um Filme dieser Art zu machen, muss man wohl eine gehörige Portion Exhibitionismus besitzen, sonst geht‘s wohl nicht. Ich stehe auch zu meinen Körper, so wie er ist, und verzichte auf Silikon und sonstiges.

Kommen wir noch mal auf deine Filmkarriere zurück. 1999 hast du die Produktionsfirma gewechselt und arbeitest seitdem für DBM. Du warst in den Serien „Ero“ und „Boulevard“ zu sehen. Warum hast du mit beiden Serien aufgehört, insbesondere mit „Boulevard“, wo du ja als Co-Moderatorin aufgetreten bist?

In „Boulevard“ hab ich nur eine Gastrolle gegeben, da Diana zuerst da war, hatte sie natürlich auch das Recht allein weiterzumachen. Zwei waren eben zu viel. Bei der Serie „Ero“ wusste ich von vornherein, das diese Serie eines Tages eingestampft wird, da meine Vorgängerin nicht mit dem nötigen Elan an die Sache heran gegangen ist. Als ich diese Serie übernahm konnte ich das Kind nicht mehr aus dem Brunnen ziehen.
Unterdessen arbeite ich für meinen Mann, der in Co-Produktion meine Filme für tabu & love video produziert. Tabu & Love ist ein Tochterunternehmen, der wohl bekannten Firma Magmafilm.

Inwieweit arbeitet Golden Productions eigenständig und siehst du den Produktionsbereich als ersten Schritt in ein Leben hinter der Kamera?

Es sind Eigenproduktionen, die als Co-Produktionen auf dem Markt kommen. Mein Mann ist der Produzent und ich unterstütze ihn dabei tatkräftig. Wir produzieren zur Zeit für DBM, Pleasure, ZBF und Tabu & Love Video.
Natürlich denke ich auch mal an das Aufhören vor der Kamera, aber zur Zeit denke ich noch nicht so sehr daran, auch wenn ich auch langsam in einem Alter bin, wo man an das Aufhören denken sollte. Nur, solange meine Fangemeinde so groß ist und ich vom Publikum gemocht und akzeptiert werde, warum sollte ich dann aufhören. Zumal ich mich schon selbst frage, wer bestimmt, dass nur junge Frauen den Pornohimmel beherrschen dürfen. Ich denke auch, das ich durch meine Reife ehrlichen Sex vor der Kamera zeige, den die Zu­schauer auch als solchen ansehen und sich damit auch identifizieren können.

Isabel Golden Bild 4Eine Besonderheit der Eigenproduktionen ist die Tatsache, dass außer nur Amateure mitwirken. Welchen Hintergrund hat das und wäre es finanziell nicht interessanter mit zugkräftigen Namen auf den Covern werben zu können?

Nein, ganz im Gegenteil, mit Amateuren, denen nicht immer gleich alles gelingt, kann sich der Zuschauer eher identifizieren, als mit Darstellern die immer und überall können. Außerdem war ich es Leid in jedem Film, egal welche Produktionsfirma es auch war, ständig die selben Gesichter zu sehen. Wenn es mir schon so geht, was sollen dann die Zuschauer denken? Also müssen neue Gesichter her. Es ist schon etwas schwieriger mit Amateuren zu arbeiten, aber es geht.

Was würdest du einem interessiertem Laien, der zum Pornofilm will, raten? Wie soll man eine Karriere oder überhaupt den Anfang als Darsteller am besten beginnen?

Wichtig ist, egal ob Mann oder Frau, dass diese Person zu ihrer Tätigkeit steht und sich nicht versteckt. Also, auf keinen Fall die Öffentlichkeit scheut.
Wichtig ist auch in erster Linie nicht an das Geld zu denken, sondern an die Lust. Der oder diejenige muss Lust am Sex haben und nicht nur es über sich ergehen lassen.
Wichtig ist auch Referenzen zu bekommen, das heißt, Material nachweisen können. Genau in so einem Fall kommt unsere Firma ins Spiel. Leute, die bei uns schon als Darsteller erfolgreich tätig waren, vermitteln wir z.B. an unsere Geschäftspartner weiter. Damit ist dann auch schon ein großer Schritt getan.

Kann man letztendlich als Darsteller ohne großen Namen vom Drehen leben?

Man kann. Aber man sollte sich nicht selbst verheizen und von einer Produktion zur nächsten rennen. Schnell ist ein Gesicht durch und dann ist Ende. Also, auf keinen Fall nach dem ersten Dreh den Job aufgeben und meinen, nun werde ich Pornostar, das wäre ein Märchen. Schön langsam alles angehen lassen.

Wie siehst du die Pornoszene in Deutschland? Sieht man sich diverse Pseudo-Reportagen im Fernsehen an, scheint es anscheinend nur zwei Varianten zu geben, die sich eigentlich von vornherein ausschließen: Ist es nun eher die große familiäre Gemeinschaft oder doch nur knallhartes Business?

Es ist wirklich beides. Es gibt einige Produzenten in Deutschland, die ein gutes Miteinander pflegen, doch es gibt aber auch die Kehrseite und die ist knallhart. Wenn man sich überlegt, es kommen allein in Deutschland jeden Monat weit über 600 Produktionen auf dem Markt, kann schon ein kleiner Fehler sehr fatal sein.

Isabel Golden Bild 5 Gibt es auch Tage, an denen du keine Lust zum Drehen hast und lieber einen „normalen Beruf“ ausüben würdest?

Ich möchte auf keinen Fall mehr morgens um 6 Uhr aufstehen müssen, um zur Arbeit gehen zu müssen.
Außerdem sehe ich auch den Dreh nicht als Job an, dann wäre ich in der falschen Branche. Ich habe Lust am Sex und der kann bei mir morgens, mittags, abends stattfinden.
Auf Grund meiner Stellung in der Branche, nehme ich mir heraus wann ich drehe und wann nicht. Aber es gibt dabei keine Probleme, denn meine Drehs spreche ich mit meinen Mann sehr genau ab.

Einen weiteren Erfolgshit hast du auch mit deiner Website gelandet. Siehst das Internet als die nächste große Chance in Sachen Porno an oder wird der Großteil der Verkäufe auch in den nächsten Jahren per Video/DVD und Print-Magazinen ablaufen?

Ich glaube zumindest, das der deutsche User noch nicht so weit ist, das Internet in diesem Maße zu nutzen. Schließlich erfordert Pornografie im Internet auch eine gehörige Portion Diskretion. Hinzu kommen einige Abzocker mit ihren 0190 Nummern.
Aber ganz wichtig ist, es gibt in Deutschland noch keine Internetgesetze, so das der Vertrieb von Pornografie im Internet immer noch strafbar ist.