Pornfilmfestival Berlin: Kurator Jürgen Brüning zieht Resümee

Neben der 10. Venus Berlin offenbarte sich die deutsche Hauptstadt im Oktober des Jahres 2006 auch ansonsten erotisch und präsentierte nicht nur die bekannte Erotikmesse, sondern mit dem ersten PornfilmFestival Berlin auch gleich noch ein Filmfestival der besonderen Art.
Das umfangreiche Festival umfasste Veranstaltungen in Form, von Workshops, Ausstellungen und Podiumsdiskussionen. Nach Ende des Filmprogramms (18.10.-23.10.06) sprachen wir mit dem Kurator Jürgen Brüning über das erste Festival seiner Art in Deutschland.

Pornfilmfestival Berlin 2006Hallo Jürgen! Das eigentliche Filmfestival seit einer guten Woche vorbei. Was ist seitdem passiert, außer dass Du dich verdientermaßen ausgeruht hast?

Ich habe viele Emails beantwortet. Glückwünsche entgegen genommen und leckere Essen mit Freunden gehabt.

Wie bist Du eigentlich auf die Idee gekommen ein Festival mit der Programmatik Porno zu veranstalten?

Wie du weißt, arbeite ich schon lange mit Filmen, die sich mit Sexualität auseinandersetzen. Ich hatte keine Lust mehr auf die Diskussion „Kunst oder Porno“ und dachte, mache ich deswegen dich einfach mal ein Pornofestival.

Welche Reaktionen hast Du bei den ersten Anfragen erhalten?

Rundweg positiv. Die Industrie, wie Private und VCA haben nicht verstanden, was ich machen wollte. Blue Movie fand die Idee gleich klasse und hat mich unterstützt.

Wie schwer war es Sponsoren zu finden? Wäre es angesichts des umfangreichen Programms und der vielen Gäste aus dem In- und Ausland, wie Eon McKai oder Petra Joy, überhaupt ohne möglich gewesen?

Ich hatte ja nicht so viele Cash-Sponsoren. Die meisten Gäste sind auf eigene Kosten gekommen und ich habe die Unterkunft besorgt.

Wie haben denn die Kinos reagiert, dass bei Ihnen Pornos gezeigt werden sollen?

 

Das war gar kein Problem. Das liegt aber auch daran, dass ich die Leute schon jahrelang kenne und sie wussten, das es eine vernünftige Veranstaltung wird.

Kannst Du sagen, wie viele Personen und Mitarbeiter Dich unterstützt haben?

So um die 20.

Kant Kino - Pornfilmfestival Berlin 2006Wie siehst Du das Festival im persönlichen Rückblick und hat sich der Aufwand gelohnt?

Ich glaube, das kann man nicht gegeneinander aufrechnen. Es hat Spaß gemacht. Es gab tolles Feedback und somit hat es sich gelohnt.

Welches Feedback hast Du denn von den beteiligten Künstlern, Regisseuren und Darstellern erhalten, die ja nahezu aus der ganzen Welt angereist waren?

Einfach nur Begeisterung. Sie waren alle glücklich, an dem Festival teilnehmen zu können.

Die Presse in Berlin, wie auch überregional, hat ja überraschend positiv und mit großem Interesse das Ganze verfolgt, aber wie kam das Festival beim Publikum an?

Ich habe durchweg positive Emails von BesucherInnen bekommen. Frauen fanden die Atmosphäre toll, da sie das Gefühl hatten, in dieser Umgebung stressfrei sich Pornos anschauen zu können.

Und nicht zu vergessen, wie hat die Porno-Branche auf das Festival reagiert und angenommen?

Das kannst du doch besser beurteilen. Mit Ausnahme von Inflagranti und Erosmedia haben sie glaube ich, nicht so viel mitbekommen.

Ja, da kann ich Dir nur recht geben. Ich hoffe, dass da beim nächsten Mal mehr möglich ist. Was waren denn die schönsten Erlebnisse während dieser Zeit?

Die guten Diskussion zwischen Publikum und MacherInnen. Es fand ein Austausch statt, den ich auch wollte.

Dem kann ich nur beipflichten, soweit ich einige Diskussionsrunden nach den Filmen mitbekommen habe. Gab es denn auch Ereignisse, die weniger erfreulich waren?

Ein paar Kleinigkeiten, die nicht von Bedeutung sind.

Das Film-Programm war gleichermaßen vielfältig, künstlerisch anspruchsvoll wie auch international. Erstaunlich finde ich nur, dass für den Wettbewerb kein einziger reiner Amateur-Porno eingereicht wurde. Wie erklärst Du Dir das, angesichts des Booms von „Privat“- und „Amateur“-Produktionen und Angeboten im Internet und auf DVD?

Ich kann es mir nur so erklären, dass wir diese Menschen nicht erreicht haben.

Pornfilmfestival Berlin 2006Konntest Du in der Resonanz seitens der eingereichten Beiträge für die Wettbewerbe Unterschiede in irgendeiner Art und Weise in den Kategorien Hetero und Gay/Lesbian ausmachen?

Nein, da gab es keine Unterschiede. Alle Beteiligten hatten Fantasie, Humor und haben sich vielfältig ausgedrückt.

Gab es sonst einen Film oder Programmpunkt bei dem das Interesse seitens des Publikums am größten war?

Die Vivid.alt-Filme haben viel Aufmerksamkeit bekommen. Die Lesben haben sich „One Night Stand“ und die Kurzfilme angeschaut. „All about Anna“ stieß auch auf großes Interesse, obwohl er im Nachhinein schlechte Kritiken bekommen hat. Zu recht, wie ich finde.

Sicherlich war es ein idealer Zeitpunkt das Festival zeitgleich zur VENUS stattfinden zu lassen, aber wäre insbesondere für die Einbeziehung der Erotik-Industrie, deren Stars und Macher nicht eine bessere Koordination oder punktuelle Zusammenarbeit möglich gewesen?

Von mir aus gerne. Aber es gab kaum Impulse aus der Industrie.

Wird das Festival nach der letzten Veranstaltung sofort ad acta gelegt oder wird es noch eine Aufarbeitung geben, wie z.B. DVD mit den besten Wettbewerbsfilmen, oder ähnliches?

Wir denken über eine DVD nach.

Was sind Deine nächsten Aufgaben, Ziele, Projekte nach dem Festival?

Workshop in Sao Paulo. Fertigstellung meines neuen Filmes und ein wenig Urlaub.

Zu guter Letzt die Frage, ob es überhaupt und vielleicht schon im nächsten Jahr das 2. Pornfilmfestival geben wird?

Die Antwort darauf gibt es im Januar.

Dann hoffe ich auf eine positive Entscheidung! Solltest Du es nochmal veranstalten, was wäre Dein größter Wunsch?

Das die Industrie sich mit ein paar guten Ideen einbringen würde.

Das bleibt zu hoffen und wir werden sicherlich unser möglichstes dazu beitragen. Jürgen, ich danke Dir für das Interview und würde mich freuen, wenn wir uns spätestens im nächsten Jahr wiedersehen.

Weitere Informationen zum Pornfilmfestival Berlin auf der Website des Pornofilmfestivals Berlin.
PFF Berlin 2006

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ist der Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von German-Adult-News.com. Neben der Tätigkeit für GAN ist Tom auch noch als freier Texter und Redakteur für andere Blogs, Online-Shops und Magazine (On- und Offline) aktiv. Die Themen-Bandbreite reicht dabei von Entertainment & Medien bis hin zu E-Commerce. Geboren und wohnhaft im Herzen des Ruhrgebiets ist Tom seit vielen Jahren glücklich verheiratet und stolzer Vater.