Julie Silver: Die Geschichten einer Pornodarstellerin

Julie Silver zählt zu wenigen Porno-Darstellerinnen, die mich jetzt seit Anbeginn des Magazins in unterschiedlicher Form, aber dennoch mit einer gewissen Kontinuität begleiten. Allerdings kam es bis dato nie zu einem Interview, was wir nun nach all den Jahrn an dieser Stelle endlich nachholen.

Julie Silver Lingerie BildHi Julie! Wir haben uns ja zuletzt auf der Venus in Berlin gesehen und gesprochen. Seitdem ist ja einige Zeit vergangen. Erzähl‘ doch mal bitte kurz, was es seitdem neues bei Dir gibt?

Ich bin nach wie vor aktiv und arbeite die meiste Zeit des Jahres über. Dieses Jahr habe ich auch mit Tom Herold einen Film gemacht. Die Idee zu der Produktion stammt von mir und ich habe auch die gesamte Konzeption ausgearbeitet. Derzeit sind wir auf der Suche nach Vertriebspartnern und der Film wird unter dem Titel „Devil in Disguise – The mask of lust“ veröffentlicht.

Eines der größten Abenteuer in letzter Zeit war dabei sicherlich der Trip mit dem Regisseur Tom Herold nach Südkorea. Was genau war der Anlass für die Reise? Südkorea ist hierzulande ja eher unbekannt in Sachen Erotik.

Der Anlass war das Shooting von mehreren Fotoserien für den koreanischen Handy-Markt. Außerdem war ich als europäischer Ehrengast zu der ersten koreanischen Playboy-Party eingeladen.

Und wie bist Du dort als Europäerin und insbesondere als Pornostar von den Fans aufgenommen worden?

Ich war bereits vorher schon mal in Japan und kenne daher die asiatische Mentalität. Aber auch in Korea mochten mich die Menschen sehr und waren super freundlich zu mir.

Was kannst Du uns sonst noch über den Erotikmarkt in Südkorea berichten? Gibt es dort bekannte Stars oder Firmen oder wo gibt es auffällige Unterschiede zu Europa?

Dazu muss man erst mal wissen, dass Pornografie in Korea strikt verboten ist. Es gibt dort also im Gegensatz zu Europa weder Stars noch Firmen. Ich habe daher auch nur softe Aufnahmen gemacht. Im Gespräch mit einigen koreanischen Models habe ich dann erfahren, dass selbst Soft-Models es schwer haben und für die Firmen dort schwer zu finden sind. Das liegt zum Großteil auch in der vollkommen anderen Kultur der Koreaner begründet. Der einzige Weg über den dort Erotik überhaupt zu sehen ist, sind Pay-TV und das Handy.

Ich weiß ja, dass Du Standardfragen hasst, aber wir kommen wohl doch nicht darum herum einige abzuarbeiten. Hoffe, das ist okay für Dich und los geht es mit der schönen Frage, was Du in Deiner Freizeit machst? Hast Du ein spezielles Hobby?

Wie jede andere normale Person mache auch ich nur normale Sachen. Was dachtest Du denn? Dazu gehört schwimmen, Bowling, Disco, shoppen und außerdem sammle ich noch Porzellan-Puppen.

Was hat Dich eigentlich damals gereizt als Erotikdarstellerin zu arbeiten? Das Geld, der mögliche Erfolg und der Sex?

Womöglich alles, denn ich wollte auf keinen Fall irgendwas machen, wo mir ein Boss sagt, was ich zu tun habe. Ich wollte frei sein und ständig was Neues erleben und vor Herausforderungen stehen. Ein Job halt, der nie langweilig wird und die gleiche Arbeit erfordert. Ich wollte auch mit unterschiedlichen Menschen zu tun haben. Und natürlich spielte auch das Geld eine Rolle.

Julie Silver BildKannst Du Dich noch an Deinen ersten Dreh und Film erinnern?

Ja, aber es war kein Film. Es war irgendwas fürs Internet. Man sagte mir nur, ich soll so laut stöhnen wir ich kann. Das tat ich dann und realisierte das es eine einfach Arbeit ist. Meinen ersten Film drehte ich dann auf Ibiza. Dabei habe ich dann auch das erste Mal anal gemacht. Man gab mir aber ein spezielles Gel, so dass ich keinerlei Schmerz empfunden habe. Das ist alles woran ich mich erinnere.

Im Lauf der Jahre gab es ja sicherlich das ein oder andere Ereignis während eines Drehs. Sei es nun lustig, peinlich oder außergewöhnlich, aber gibt es ein paar nette Anekdoten, die Du uns erzählen kannst?

Eigentlich habe ich immer Spaß mit den Menschen um mich herum. Es ist nun wirklich eine lange Zeit her, aber ich habe mal mit einem Girl gearbeitet… nun sie hat sich wohl ihren Hintern nicht ganz sauber gemacht. Ein Mann fickte sie dann in den Arsch und ich lutschte ihn dann hinter her. Als ich dann geblasen habe, realisierte ich plötzlich dass ich Scheiße im Mund hatte. Ich habe die Szene dann unverzüglich abgebrochen, da ich merkte dass ich mich übergeben musste. Sie mussten das Mädel dann auswechseln, sonst wäre ich nicht in der Lage gewesen die Szene zu beenden. Ich denke, dass ist lustig und traurig zugleich…

Eine ganz besondere Person in Deinem Leben ist sicherlich Tom Herold. Was zeichnet Ihn Deiner Meinung nach als Regisseur und als Mensch aus? Wie wichtig ist und war er für Deine Karriere und was unterscheidet seine Arbeiten von anderen?

Ich kenne Tom Herold jetzt eine lange Zeit. Es fing damit an, dass ich seine Arbeiten mochte, vor allem die netten Shootings die er mit mir gemacht hat. Aber auch dadurch dass seine Arbeiten von anderen unterschieden und mich immer auf eine sehr nette Art präsentierten. Er präsentierte mich immer unterschiedlich und nicht auf die übliche Art und Weise, die bei vielen Firmen an der Tagesordnung ist. Als Person schätze ich besonders an ihm, dass er die Bedürfnisse der Darsteller kennt und versteht.

Gibt es noch andere Regisseure, die Du schätzt und mit denen Du gerne zusammenarbeitest?

Da gibt es nur zwei: Suzy Medusa, weil sie interessante Filme macht und Marc Dorcel, weil er nette Filme macht.

Hast Du Lieblingspartner/-Innen unter den Darstellern?

Nein, ich mag alle Darsteller.

Ist Dir eigentlich egal in welchem Land und für welche Firma Du arbeitest? Nach welchen Kriterien nimmst Du einen Job an und wo siehst Du entschiedene Unterschiede bei Firmen und Ländern?

Im Prinzip schon, da ich alle Länder und verschiedene Orte mag. Ich wähle meine Jobs danach aus, was ich machen soll und was dafür gezahlt wird.

Julie Silver oben ohneSiehst Du Dir Deine eigenen Filme später an?

Nein, nur die Filme von Tom und Suzy. Manchmal auch die größeren und netten Produktionen in denen ich mitgespielt habe. Das heißt, wenn man mir eine Kopie zukommen lässt. Dann aber auch meist sehr schnell und ohne Ton.

Schaust Du auch privat Pornos und wenn ja welche?

Nein, denn ich weiß, wie es ist zu drehen. Daher kann ich es mir auch nicht ansehen. Manchmal schaue ich mir aber Softcore-Sachen im TV an.

Machst Du Unterschiede in Deinem sexuellen Verhalten vor der Kamera und im Privaten, z. B. Was bestimmte Praktiken, Stellungen, etc. Angeht?

Zuhause mache ich natürlich keine speziellen Kamera-Stellungen, da mich auch niemand beim Sex filmen muss. Auch existiert in meinem Privatleben kein Analsex.

So weit ich weiß, lehnst Du bestimmte Praktiken, insbesondere Rough Sex, wie Choking, Fisting, Slaping ab. Fällt es da nicht gerade bei Gonzo-Drehs in den USA schwer, sich damit durchzusetzen?

Dieser ganze eklige Kram, wie fisten, pissen und schlagen hat für mich nichts mehr mit Sex zu tun und ich will das auch nie machen. Das weiß aber jeder und so habe ich auch in den Staaten und bei Gonzo-Produktionen keine Probleme damit.

Gibt es sonst noch Tabus oder Sachen, die Du vor der Kamera ablehnst und nie machen würdest?

Ich lasse mir von keinem ins Gesicht spucken. Auch die diese ganzen Piss- and Shit Sachen bis hin zu extremen Deep Throats sind nicht mein Ding. Da ist meine Grenze erreicht, sorry!

Welche Aspekte Deiner Arbeit liebst Du denn besonders?

Ich mag es sehr, wenn ich schöne Sachen und ein aufwendiges Styling und Make-Up erhalte. Auch mag ich es in netten Filmen mitspielen zu können und Leute zu treffen.

Apropos Gonzo, warum sieht man Dich überwiegend in Gonzos und weniger in Features bzw. Spielfilmen. Hast Du kein Interesse daran, fehlt es an Angeboten oder liegt es Dir weniger?

Das ist wirklich nicht meine Schuld. Ich will eigentlich gar nicht in so vielen Gonzos mitspielen. Aber es gibt nun mal nicht viele Firmen in Europa die jeden Tag Features drehen. In denen würde ich nämlich viel lieber mitspielen und zu sehen sein. Aber meine Agenturen bieten mir daher überwiegend Gonzo-Drehs an.

Was sind Deine aktuellen und kommenden Projekte?

Wie schon zu Beginn des Interviews erwähnte, bin ich derzeit sehr mit meinem aktuellen Projekt beschäftigt. Vor allem die Promotion und der Verkauf meines ersten eigenen Films „Devil in Disguise“ nehmen viel Zeit in Anspruch.
Weiterhin werde ich die Arbeiten zu meiner demnächst kommenden Webseite fortsetzen.

Was ist Dein größtes Ziel/Traum in beruflicher wie auch privater Hinsicht?

Was die berufliche Seite angeht, würde ich eines Tages sehr gerne als Regisseurin arbeiten, um dann meine eigenen Visionen umsetzen zu können. Im privaten Leben würde ich gerne eine Familie haben wollen. Ich denke, wie es eigentlich jeder gerne hätte.

Zu guter Letzt noch die Frage, wie Du mit Deinen Fans kommunizierst?

Ich treffe und rede viel mit ihnen auf Festivals und bald auch auf meiner Webseite. Ich hoffe Dich dann dort auch wieder zu sehen.

Das denke und hoffe ich auch. Vielen Dank für das Interview Julie und ich wünsche Dir auch weiterhin viel Erfolg!