Vixen! Ohne Gnade Schätzchen (Russ Meyer Films)

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Mit dem 1968 entstandenen „Vixen“ inszenierte Russ Meyer wohl einen seiner bekanntesten und erfolgreichsten Filme zugleich. Russ Meyer, zum damaligen Zeitpunkt 46 Jahre alt, sinnierte mit seinem Freund Jim Ryan im Flower-Power Zeitalter darüber, wie man einen Film machen könne, der alles Bisherige in den Schatten stellt. Die simple Antwort darauf lautet „Vixen“, welcher noch mehr Sex als seine vorherigen Werke bietet und zudem auch erstmals politische Statements aufweist.

Vixen DVD CoverVixen – Ohne Gnade Schätzchen!

Vixen“ spielt erneut in einer abgelegenen Gegend, diesmal in den kanadischen Wäldern von British Columbia, und orientiert sich diesbezüglich stringent an der Story. Die fängt wie ein harmloser Reisebericht über besagte Gegend an, welche nur beschwerlich mittels kleiner Flugzeuge zu erreichen ist. Schon nach wenigen Minuten erleben wir Hauptfigur Vixen (Erica Gavin) in voller Action, wie sie es in den Wäldern mit einem Mountie treibt, während ihr Ehemann Tom (Garth Pillsbury), seines Zeichens Buschpilot, auf dem Heimweg ist.
Nach dem sich Vixens erstes wildes Treiben dem Ende neigt, trifft sie auf dem Weg nach Hause auf zwei Motorradfahrer. Der eine ist ihr Bruder Judd (Jon Evans), der andere der Schwarze Niles (Harrison Page), der sich nach Kanada abgesetzt hat, um nicht nach Vietnam eingezogen zu werden. Vixen macht sich jedoch mit rassistischen Äußerungen über Niles nicht gerade sehr beliebt bei ihm.
Als Tom eintrifft, holt er mit Vixen zwei neue Gäste vom Flughafen ab. Die haben sich zu einem Erholungswochenende auf der Ranch eingemietet. Dabei handelt es sich um den Rechtsanwalt Dave (Robert Aiken) und seine Frau Janet (Vincene Wallace). Noch am selben Abend, während des Essens, schmeisst sich Vixen an Dave ran, was Janet mit deutlich eifersüchtiger Missachtung wahrnimmt, während Tom nichts ahnt.
Am nächsten Tag schnappt sich Vixen Dave, während der treue, leicht naive Tom die eifersüchtige Janet abblitzen lässt. Doch Vixens Lust scheint unbezähmbar und so vernascht sich nachmittags noch gleich die angetrunkene Janet, wobei sie jedoch leider von den heimkehrenden Männern unterbrochen wird.
Als Tom am nächsten Tag die beiden zum Flughafen zurückbringt, leistet Vixen ihrem Bruder unter der Dusche und später im Bett Gesellschaft. Später stachelt Judd Niles an, es doch auch einmal mit Vixen zu treiben, die ihn zuvor erneut wegen seiner Hautfarbe beleidigt hat. Aufgrund einer Lüge von Judd, versucht Niles schließlich Vixen zu vergewaltigen.
Tom kehrt derweil mit einem neuen Gast, dem Iren O’Bannion (Michael Donovan O’Donnell), zurück. Der gibt sich gegenüber Niles als IRA-Mann und Kommunist zu erkennen und überredet Niles mit ihm nach Kuba zu kommen.
Mittels einer Pistole versucht O’Bannion Tom zum illegalen Flug nach Kuba zu zwingen. Er wird jedoch von Vixen so lange gereizt, bis er sich als autoritärer Revolutionär und Rassist entpuppt. Als auch er Niles einen Nigger nennt, platzt ihm der Kragen und während eines Handgemenges kann O’Bannion überwältigt werden. Tom gewährt Niles nach der Landung die Möglichkeit zur Flucht vor den US-Behörden. Der Film endet mit einem Fragezeichen als neue Gäste bei Tom und Vixen eintreffen.

Vixen Film PlakatBedauerlicherweise wiegt gerade im Falle von „Vixen“ der Umstand, dass aus Lizenzrechtlichen Gründen nur die deutsche Tonspur enthalten ist, äußerst schwer. Denn im Gegensatz zur „Faster Pussycat! Kill! Kill!“ DVD wo, aus unerfindlichen Gründen nach wie vor (und wie beim alten VHS-Release) die Tonspur an einigen Stellen von deutsch nach Englisch springt, hat man bei der damaligen deutschen Synchronisation von „Vixen“ gleich mehrere wichtige Sachen geändert. Der Horror- und Spiele-Fan kennt das Spielchen ja zu Genüge, so werden aus Zombies gerne mal Roboter oder Außerirdische gemacht.
Hier wurde allerdings aus Vixens Bruder Judd, der Co-Pilot von Tom, womit man das Thema Inzest komplett zensierte, aus Vixen (zu deutsch: Füchsin) wurde Vicky und der Kommunist O’Bannion wurde zum simplen Verbrecher (Kokaindealer) degradiert, was das Ende des Films um seine eigentlichen Intention beraubt – nämlich, dass der Kommunist genauso Rassist ist, wie alle anderen auch. Nebenbei bemerkt, verändert sich dadurch auch der komplette Kontext der Story. Übrig bleibt ein Meisterwerk, welches in der deutschen Version den Zuschauer leider mit Banalitäten und Fragmenten der eigentlichen Thematik alleine lässt.

Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es sich hier um einen von Meyers besten Filmen handelt, welcher je nach Quelle zwischen 10 und 20 Millionen Dollar eingespielt hat. Da Meyer wieder vieles in Personalunion und mit Freunden (so ist u.a. auch wieder John Furlong in einer Gastrolle zu sehen) und Bekannten, die er neben einer Minimalgage an den Einnahmen beteiligt, in wenigen Wochen abdrehte, entstanden nach seiner Aussage, gerade mal Produktionskosten von etwas über 70.000 Dollar.
Vixen“ bricht im Verhältnis damit nicht nur für damalige Zeiten Besucher- und Kassenrekorde, sondern entwickelt sich zu einem der erfolgreichsten kommerziellen Filme überhaupt.

Doch auch diesmal sollte Meyer der Erfolg nicht ohne Probleme vergönnt sein und so hagelte es gleich in mehreren Städten der USA Beschlagnahmungen wegen Obszönität. Da halfen Meyer auch nicht mehr die politischen Themen, die er aufgriffen hatte. Insbesondere die Staatsanwälte warfen ihm mehr als einmal vor, dies diene nur dem Selbstzweck und kaschiere den eigentlichen Sexanteil in seinen Filmen. Was zu einem gewissen Teil sicherlich auch stimmte, aber dennoch erwies sich Meyer Zeit seines Lebens als bekennender Anti-Kommunist.

Vixen Erica Garvin FotoBesonders angegriffen wurde Meyer aber wegen der insgesamt sehr sinnlichen Attitüde seiner Produktion und der heißen Liebesszene zwischen Erica Gavin und Vincene Wallace, mit der insbesondere Erica Gavin, laut Meyer, beim Dreh Probleme hatte. Wie dem auch sei, die hocherotische Szene ist eine der besten im ganzen Film und lässt Erica Gavin für einige Jahre zum „Sex“-Star werden. Doch leider ist ihre weitere Karriere, dank unfähiger Agenturen, im Nichts verlaufen. Außer in Jonathan Demmes „Caged Heat – Zuchthaus der verlorenen Frauen“ von 1975, wo sie an der Seite von Barbara Steele zu sehen ist, kamen keine Angebote mehr und sie arbeitete später als Verkäuferin in einer Boutique in Hollywood. Sie wurde übrigens nach ihren schlechten Erfahrungen mit Produzenten, Agenten, etc. später zu einer echten Lesbe, während Kollegin Vincene Wallace noch weitere Auftritte in diversen Genre-Produktionen von minderer Qualität, wie „The Erotic Adventures of Pinocchio“ zuteil wurde.

Russ Meyer
gelingt es mit „Vixen“ gleich zwei wichtige Erfolge auf einmal zu erreichen: Er wird zu einem reichen Mann und Hollywood interessiert sich nun für ihn. Fazit: Eine der besten Meyer Produktionen überhaupt!


Vixen

Originaltitel / Alternativtitel: Russ Meyer's Vixen!, Ohne Gnade Schätzchen
Genre: Erotikfilm, Sex Spielfilm, Sexfilm Klassiker 
Land / Jahr: USA 1968
Laufzeit: ca. 70 Min.
Studio / Vertrieb: Russ Meyer Films / WVG Medien
Regie: Russ Meyer
Erotik Darsteller: Erica Gavin, Garth Pillsbury, Harrison Page, Jon Evans, Vincene Wallace, Robert Aiken, Michael Donovan O'Donnell, u.a.
Format (Bild + Ton): DVD (PAL) 4:3, Deutsch, Codefree

Vixen Filmfoto Aushang